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Warum mehr Entwürfe selten bessere Ergebnisse liefern

Matteo Guerra
18. Juni 2026

Viele Kunden wünschen sich zu Beginn eines Designprojekts mehrere Entwürfe.

Drei Logoideen. Verschiedene Farbrichtungen. Vielleicht noch eine "mutigere" Variante und eine "etwas klassischere", damit man intern besser vergleichen kann. Das klingt erst einmal nachvollziehbar. Schließlich möchte man ja eine gute Entscheidung treffen. Und gute Entscheidungen brauchen Auswahl. Oder?


Das sehen wir anders. Wir glauben nicht an Entwurfsbuffets. Wir glauben an fundierte Empfehlungen. An begründete Richtungen. An Zusammenarbeit, bei der der Kunde ernst genommen wird, aber nicht mit Entscheidungen allein gelassen wird, für die er Experten beauftragt hat. Denn am Ende geht es nicht darum, welche Variante am meisten Zustimmung im Konferenzraum bekommt...

Warum also
"mehr Auswahl"?

Der Wunsch nach Auswahl ist meistens gar kein Wunsch nach mehr Design. Er ist ein Wunsch nach Sicherheit. Man möchte nichts übersehen. Keine falsche Entscheidung treffen. Intern niemanden übergehen. Gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen hängen solche Entscheidungen oft direkt an der Geschäftsführung. Man investiert Geld, Zeit und Vertrauen. Da möchte man verständlicherweise nicht einfach blind einer Richtung folgen.

Nur entsteht Sicherheit nicht dadurch, dass möglichst viele Möglichkeiten nebeneinanderliegen.

Im Gegenteil: Je mehr gleichwertige Varianten im Raum stehen, desto seltener wird wirklich strategisch entschieden. Stattdessen beginnt der Moment, in dem aus einer fachlichen Entscheidung ein Betriebsfest der Einzelmeinungen wird. Jeder schaut drauf. Jeder fühlt etwas. Jeder hat eine Meinung. Und am Ende gewinnt nicht unbedingt die beste Lösung, sondern die, die intern am geräuschlosesten durchrutscht.

Genau deshalb arbeiten wir in der Regel nicht so, dass wir Kunden eine lose Sammlung hübscher Alternativen servieren, aus der sie sich dann schon irgendwie die richtige Zukunft zusammenklicken sollen. Wir entwickeln eine klare Richtung. Und wenn es mehrere sinnvolle Wege gibt, zeigen wir diese auch. Aber nicht als dekoratives Entwurfsbuffet, sondern mit Einordnung, Begründung und fachlicher Empfehlung.

Denn der Kunde kauft nicht die Idee.
Er kauft die Sicherheit, dass sie richtig ist.

Drei Varianten sind oft
zwei Probleme zu viel

Mehr Varianten fühlen sich am Anfang gut an. Nach Kontrolle. Nach Vergleichbarkeit. Nach "Wir haben alles geprüft".

In der Praxis passiert aber häufig das Gegenteil:

Mit jeder zusätzlichen Variante steigt die Zahl der möglichen Einwände. Jede Alternative öffnet neue Diskussionen. Plötzlich geht es nicht mehr darum, ob eine Lösung richtig ist, sondern ob irgendwo noch eine andere Lösung lauert, die vielleicht noch richtiger, gefälliger, sicherer oder intern leichter vermittelbar wäre.

So entstehen lange Schleifen.
So entstehen Mischformen.
So entstehen Kompromisse, bei denen vor allem eines fehlt: Mut.

Und Mut ist nicht das Risiko. Mutlosigkeit ist das Risiko.

Eine Marke, die niemandem wehtut, bleibt oft auch niemandem im Kopf.

Ihre Marke bleibt unsichtbar im Einheitsbrei

Was den meisten gefällt,
fällt auch niemandem weiter auf

Design wirkt nach außen oft subjektiv. Logo, Farben, Typografie, Bildsprache, Website – alles Dinge, zu denen Menschen schnell eine Meinung haben:

"Das Blau gefällt mir besser."
"Die Schrift wirkt irgendwie freundlicher."
"Meine Frau findet Variante zwei moderner."
"Der Vertrieb sagt, das ist zu modern."
"Können wir nicht das Logo aus A mit der Farbe aus B und dem Aufbau aus C kombinieren?"

Und schon steht nicht mehr die beste Lösung im Raum, sondern die Summe aller Bauchgefühle.

Das Problem ist nicht, dass Kunden mitdenken. Das sollen sie. Ein gutes Projekt lebt davon, dass Kunden ihr Unternehmen, ihre Zielgruppe, ihre Branche und ihre Ziele einbringen. Niemand kennt das eigene Geschäft besser als der Kunde selbst.

Das Problem entsteht, wenn eine strategische Gestaltungsentscheidung auf eine reine Geschmacksfrage reduziert wird.

Dann wird nicht mehr gefragt:

Was zahlt auf unsere Positionierung ein?
Was macht uns unterscheidbar?
Was funktioniert für unsere Zielgruppe?
Was trägt langfristig?

Sondern:

Was gefällt den meisten?

Und "gefällt den meisten" ist in der Markenentwicklung ungefähr so mutig wie ein Dienstwagen in Silbermetallic. Funktioniert. Fällt aber auch niemandem weiter auf.

Gute Gestaltung ist kein Taschenrechner, der nach Eingabe des Briefings exakt eine mathematisch korrekte Lösung ausspuckt. Natürlich gibt es oft mehrere denkbare Wege. Manchmal sogar mehrere gute. Aber nicht jeder gute Weg ist für dieses Unternehmen, diese Zielgruppe und diese strategische Aufgabe gleich richtig.

Genau dafür braucht es Beratung.

Die Abstimmung von mehreren Entwürfen

Ein Entwurfsbuffet
ist keine Empfehlung

Mehrere Entwürfe können sinnvoll sein. Aber nur, wenn klar ist, warum es sie gibt. Varianten ohne Einordnung sind keine Beratung. Sie sind ein Buffet.

Und ein Buffet ist nur dann eine gute Idee, wenn man Hunger hat und einem egal ist, dass am Ende Sushi neben Kartoffelgratin und Schokobrunnen auf demselben Teller landet.

Denn eine Marke ist kein Teller, auf dem man einfach die Dinge sammelt, die allen irgendwie schmecken. Eine Marke braucht Richtung. Spannung. Wiedererkennbarkeit. Und manchmal auch die Zumutung, nicht jedem sofort gefallen zu wollen.

Besonders gefährlich ist deshalb die sogenannte "sichere Variante":

Sie tut niemandem weh.
Sie wirkt ordentlich.
Sie ist erwartbar.
Sie ist so mutig wie ein Parkplatzschild.

Deshalb fühlt sich die "sichere Variante" im ersten Moment oft angenehm an. Sie schützt vor Diskussion. Vor Reibung. Vor Verantwortung. Am Ende ist sie aber nur kurzfristig bequem. Langfristig kann sie teuer werden, weil sie genau das verhindert, was gute Gestaltung leisten soll: Wiedererkennbarkeit, Relevanz und Differenzierung.

Deshalb ist unser Job nicht "Mehr".
Unser Job ist "Richtig".

Unsere Aufgabe als Agentur ist nicht, möglichst viele Entwürfe zu produzieren. Unsere Aufgabe ist, aus möglichen Richtungen die richtige abzuleiten.

Dafür führen wir Gespräche. Stellen Fragen. Hören zu. Schauen auf den Wettbewerb, Zielgruppen, Positionierung, Inhalte, digitale Anforderungen und langfristige Nutzbarkeit. Alles ist Teil eines Systems, das funktionieren muss. Strategisch, visuell, technisch und kommunikativ.

Eine gute Präsentation besteht nicht aus: Variante A. Variante B. Variante C. Jetzt bitte Applaus oder Ablehnung. Sie ist eine Argumentation. Sie erklärt, welche Aufgabe gelöst werden soll, warum eine Richtung funktioniert und weshalb wir sie empfehlen. Und wenn wir empfehlen, dann nicht, weil wir uns besonders gern selbst zuhören, sondern weil genau das unser Job ist.

Natürlich kann man immer über Details sprechen. Natürlich ist ein Entwurf nicht heilig, nur weil er aus unserer Feder stammt. Aber die Grundrichtung sollte nicht durch eine spontane Geschmacksabstimmung ersetzt werden. Sonst wird aus fachlicher Zusammenarbeit schnell betreutes Raten.

Kurz: Optionen sind erlaubt, aber Richtung ist Pflicht

Varianten können helfen, die Spannweite einer Entscheidung sichtbar zu machen. Aber trotzdem gilt: Wir zeigen keine Varianten, um Verantwortung abzugeben. Wir zeigen sie, um eine Entscheidung besser zu begründen.

Also nicht:

"Hier sind drei Ideen. Suchen Sie sich eine aus."

Sondern:

"Es gibt mehrere denkbare Wege. Aus unserer Sicht ist dieser der stärkste, weil er am besten zu Ihnen und Ihren Zielen passt.

Das ist für uns der Kern guter Beratung.

Die Zielgruppe sitzt nicht
mit am Besprechungstisch

Ein Kunde kommt nicht zu einer Agentur, weil er intern zu wenige Meinungen hat. Die meisten Unternehmen haben davon mehr als genug:

Die Geschäftsführung hat eine Meinung.
Der Vertrieb hat eine Meinung.
Die Assistenz hat eine Meinung.
Der Schwager, der "auch mal was mit Medien gemacht hat", hat natürlich auch eine Meinung.

Wenn die Agentur dann zusätzlich noch fünf gleichberechtigt nebeneinanderliegende Optionen liefert, passiert selten das, was in der Theorie nach kluger Beteiligung klingt. Es beginnt kein sachlicher Diskurs über Zielgruppen, Positionierung, Wiedererkennbarkeit und Markenstrategie. Es beginnt die Suche nach der Variante, mit der man intern am wenigsten aneckt. Und plötzlich ist die starke Idee nicht mehr stark, sondern ein Gruppenprojekt. Gut gemeint. Breit abgestimmt. Fachlich kastriert.


Am Ende geht es nicht darum, welche Variante am meisten Zustimmung im Konferenzraum bekommt. Es geht darum, welcher Auftritt draußen funktioniert. Bei den Menschen, für die er gemacht ist.

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